
Letztens kam ein Student aus den USA. Für eine wissenschaftliche Arbeit über norddeutsche Auswanderer nach Amerika suchte er plattdeutsche Literatur. Bei seiner Recherche war er auf die Bibliothek des Instituts für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen gestoßen. Der katalogisierte Bestand ist online zu finden und reicht von historischen Werken bis zur zeitgenössischen Literatur. Die Sammlung plattdeutscher Medien ist so groß wie sonst nirgendwo auf der Welt. «Er war zwei-, dreimal hier und hat sich was rausgeschrieben», erzählt Nele Otten.
Ältestes Buch aus dem Jahr 1851
Als Leiterin der Bibliothek hat die 27-Jährige den Überblick über die insgesamt rund 46.000 Bücher, Theater- und Hörspielmanuskripte, Abschlussarbeiten, Zeitschriften, DVDs, CDs, Tonbänder und Schallplatten. Das älteste Buch im Bestand stammt aus dem Jahr 1851.
Die größte Abteilung ist dabei die für Belletristik, Lyrik und Kinderliteratur. «Stadtbibliotheken haben meist nur eine Ecke mit Büchern in plattdeutscher Sprache aus der jeweiligen Region», sagt Otten. Und auch die Niederdeutsche Bibliothek der Carl-Toepfer-Stiftung in Hamburg reicht lange nicht an die Größe in Bremen heran: Sie umfasst rund 23.000 Medieneinheiten.
Niederdeutsch ist eine eigene Sprache mit vielen regionalen Varianten. Kinderbücher von Janosch oder Klassiker wie «Der kleine Prinz» stehen deshalb in unterschiedlichen Dialekten in den Regalen. Das Bremer INS sammelt alles, was auf und über Plattdeutsch herausgegeben wird, darunter auch unterschiedliche Auflagen eines einzelnen Werks des bekannten niederdeutschen Autors Fritz Reuter. Wenn Publikationen im Selbstverlag erscheinen, ist es für Otten nicht immer ganz einfach, davon zu erfahren. «Ich bin auf Hinweise angewiesen», sagt sie.
Nutzung der Bibliothek ist kostenlos
Im Sortiment sind auch Werke in Plautdietsch, einer Variante des Niederdeutschen, das vor allem im Ausland von den Nachfahren deutscher Auswanderer gesprochen wird. So war kürzlich ein älterer Mann aus Kanada da, der sich für ein Wörterbuch für Plautdietsch interessierte.
Aus: DIE ZEIT Quelle: dpa Hamburg/Schleswig-Holstein 17. August 2026,



